Das Dekor

Mit ihrem polychromem Dekor sind beide Vasen typisch für den Stil der Rouener Fayence in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Nielliertes, ockerfarbenes Dekor für den Hals (gelb und schwarz), blaue Grundfarbe und aufgemalte Aussparungen für den Bauch, eine fünffarbige Blumengirlande, camaïeu blaue und rot für den Fuß... die Maler haben ihr ganzes Können durchexerziert. Das flächendeckende Dekor macht kleinen exotischen, in Zierrahmen gemalten Landschaften Platz, während vier pausbäckige Maskarone die obere Ausbauchung zieren. Die acht gemalten Landschaften der beiden Vasen sind unterschiedlich und wurden vermutlich nach Vorlagen angefertigt, deren Originale noch nicht ermittelt worden sind.

Der Gesamteindruck ist faszinierend, selbst wenn bei näherer Betrachtung viele kleine weiße Punkte wahrgenommen werden können, die bezeugen, dass die Brenntemperatur nicht immer eingehalten wurde: Durch Überhitzung wurde das Dekor zum Sieden gebracht. Generell kann jedoch festgestellt werden, dass erstaunlicherweise auf ein und derselben Vase sorgfältig gearbeitete Abschnitte wie etwa die Landschaften der Zierrahmen und rascher entstandene Partien - wie der Vasenfuß, mit seinen zu hastig gezeichneten Gittern - einander abwechseln.

Mehrere Hände könnten hier einander abgelöst haben. Wie die meisten der Rouener Werke sind auch diese Vasen nicht signiert. Dabei werden ein Modelleur sowie ein oder mehrere Maler im Unbekannten gelassen. Könnte der Name der Manufaktur oder der Künstler in Erfahrung gebracht werden, dann könnte vielleicht der Auftraggeber ausfindig gemacht werden und die zahlreichen Rätsel, die uns dieses Vasenpaar aufgibt, wären endlich gelöst.