Eine luxuriöse Umgebung

Die beiden Exemplare weisen erstaunliche Ähnlichkeit auf: Sie sind außerordentlich gut erhalten, da sie nie im Freien ausgestellt wurden. Bei einem quadratischen Sockel mit gelochten Ecken kann davon ausgegangen werden, dass die Vasen an einem Geländer festgemacht werden konnten. Aufgrund ihrer Balusterform und ihrer außergewöhnlichen Größe von ungefähr einem Meter handelt es sich um Vasen architektonischen Typs, die erst in einem grandiosen Dekor voll zur Geltung kamen. Diese Fayence-Vasen waren sicherlich an einer Laufstange oder an einem Treppenaufgang in einem vornehmen Privathauses fixiert.

Ein Loch im Vasenbauch bezeugt, dass beide Vasen im Laufe ihrer Geschichte als Brunnen gedient haben. Während Fayence-Brunnen von Anfang an so konzipiert sind, dass sie mit einem Wasserhahn ausgestattet werden können - seine Platzierung ist oft durch ein Maskaron markiert - ist das bei diesen Vasen jedoch völlig anders. Für gewöhnlich ziert ein durchgehendes Akanthusblattmotiv den Vasenbauch. Das Loch, das zum Anbringen des Kupferhahns gebohrt wurde, zerstört folglich die Regelmäßigkeit der Verzierung. Im Falle der vom Museum restaurierten Vase ist die Öffnung an einem unbekannten Datum ausgebessert worden; die andere Vase war zum Zeitpunkt ihres Erwerbs immer noch mit einem Kupferhahn versehen. Wir haben uns dafür entschieden, den Hahn, der ganz offensichtlich zu einem späten Zeitpunkt angebracht worden war, zu entfernen, damit die Vase erneut ihren ursprünglich dekorativen Zweck wiedererlangt. Bei beiden Vasen könnten die gebohrten Löcher von dem gleichen Werkzeug durchgeführt worden sein: ihr Durchmesser ist identisch. Eine aufschlussreiche Feststellung, aus der sich folgern lässt, dass die Vasen einst zur gleichen Sammlung gehörten. Sie wurden dann zur gleichen Zeit umgestaltet und schließlich zwischen Ende des 19. Jahrhunderts und Anfang des 20. Jahrhunderts getrennt verkauft. Die Veränderung deutet entweder auf einen neuen Trend hin oder aber auf die Absicht, die beiden dekorativen Vasen in Gebrauchsvasen umzuwandeln.