Die Anschaffungen von 2004

La Couture-Boussey - Museum für Blasinstrumente
Oboe von Louis Cornet (La Couture-Boussey 1678- Paris 1741). Buchsbaum (Körper), Elfenbein (Zwingen) und Messing (Klappen). Ungefähr 60 cm. Sammlung Auguste Tolbecque (Kauf Niort 1922).
Diese in der Region hergestellte Oboe aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts schließt eine Lücke in der Museumssammlung, wo lediglich zwei Blasinstrumente aus der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ausgestellt werden. Die öffentlichen Sammlungen verfügen über wenige in der Werkstatt Louis Cornets gebaute Instrumente (eine Flöte in Bonn und ein Flageolet im Pariser Musikmuseum). Diese Oboe wurde im Juni 2004 mit einem Vorkaufsrecht auf der Versteigerung in Vichy erworben.

Dieppe - Schlossmuseum
Eine Sammlung von Dokumenten und Gegenständen von Camille Saint-Saëns ( 1835-1921). Ende 19. Jahrhundert - 1921. Verschiedene Formate und Unterlagen. Sammlung Gabriel Geslin.
Diese Sammlung wurde von dem Diener und eng Vertrauten des Musikers, Gabriel Geslin, zusammengestellt und bereichert den bedeutenden Fonds, den Saint-Saëns selbst der Stadt Dieppe vermacht hat und der heute im Schlossmuseum und der Mediathek aufbewahrt wird. Diese Sammlung besteht aus Manuskripten (Korrespondenz und handschriftlich verfasste Partituren), Drucksachen (Programmplakate, Einladungen), Gouache- und Tuschezeichnungen (Karikaturen von seinen Bekannten und Interpreten), Reisesouvenirs, persönliche Gegenstände und „Reliquien“ (die Uniform der Académie Française, Medaillen, Barthaare). Die Sammlung verschafft Einblick in das Leben und das Werk Saint-Saëns’ und ermöglicht, die zahlreichen Verfasser von über 15000 Briefen und Karten kennenzulernen, die bereits im Schlossmuseum aufbewahrt werden. Sie stellt eine Bereicherung zu der bereits existierenden Sammlung dar und ist neben der Bibliothèque nationale de France die bedeutendste Informationsquelle über das persönliche Leben des Komponisten.

Eu - Schlossmuseum Louis-Philippe
Öl auf Leinwand von Eugène Isabey (1803-1886). Escadre illuminée dans la rade du Tréport lors du départ de Louis-Philippe pour Windsor le 7 octobre 1844 [Beleuchtetes Geschwader auf der Reede von Tréport bei der Abreise Louis-Philippe am 7. Oktober 1844 nach Windsor] 28 X 41,5 cm. Wurde mit einem Vorkaufsrecht auf der Versteigerung Pierre Miquel - Historiker und Sammler romantischer französischer Landschaften - am 31. März 2004 in Paris erworben. Das Gemälde ist ein bedeutendes Dokument des offiziellen Besuchs des französischen Königs bei der jungen Königin Victoria; eine wichtige diplomatische Geste im Rahmen der ersten Entente Cordiale. Diese Skizze, die das Auslaufen des französischen Geschwaders bei Anbruch der Nacht darstellt, ist das erste Werk von Isabey im Musée Louis-Philippe.
Im Rahmen der Renovierungsarbeiten des Musée Louis-Philippe in Eu könnte dieses Werk zusammen mit den anderen historischen Gemälden des Schlosses in die 1902 durch Brand beschädigten Nemours Appartements verlegt werden.

Le Havre - Musée Malraux
Öl auf Leinwand von Raoul Dufy ( 1877-1953). Pêcheurs au haveneau dans le port du Havre [Krabbenfischer im Hafen von Le Havre]1910. 73 X 58 cm. Sammlung Berthe Reysz.
Dieses Werk wurde in die regelmäßig erweiterte Dufy Sammlung aufgenommen, die dem Museum von der Witwe des Künstlers vermacht worden ist. Aufgrund seines radikalen Stils zeugt dieses Gemälde von dem Übergang des Malers vom Fauvismus zu einer von Cézanne und vom Kubismus beeinflussten Malerei. Das Werk wurde schon ein Mal im Rahmen der 2003 zum 50. Todestag von Raoul Dufy organisierten Ausstellung mit dem Titel Du motif à la couleur [Vom Motiv zur Farbe] im Musée Malraux ausgestellt.

Eine Serie von 31 Fotografien der Stadt Le Havre von Lucien Hervé (geboren 1910). Im Juli 1956 realisierte Aufnahmen und Abzüge, die 2003 unter der Leitung des Künstlers durchgeführt wurden. 12 Abzüge 24 X 30 cm, 10 Abzüge 30 X 40 cm, 9 Abzüge 40 X 50 cm.
Lucien Hervé, einer der größten Architekturfotografen des 20. Jahrhunderts arbeitet seit sieben Jahren an der Seite von Le Corbusier als er 1956 nach Le Havre kommt, um dort eine Reportage im Auftrag des städtischen Fremdenverkehrsamts zu realisieren. Dieser fast unveröffentlicht gebliebene Auftrag wurde Ende 2002 anlässlich der Vorbereitungen der im Musée Malraux organisierten Ausstellung „Auguste Perret. La poétique du béton armé“ [„Auguste Perret. Die Poesie des Stahlbetons“] wieder entdeckt. Die 31, von dem Museum erworbenen Abzüge sind ein Zeugnis für den Aufbau der Stadt Le Havre durch Auguste Perret - dessen Team zur Zeit der Ankunft des Fotografen im Jahre 1956 noch aktiv war - und sind ein Meilenstein in der Entwicklung der Darstellungen dieses Gebiets. Der strenge Aufbau der Bilder von Lucien Hervé entspricht ganz der Denkweise Perrets, der die Ansicht vertrat: „Architektur ist die Kunst, den Raum zu gestalten. Sie drückt sich durch den Bau aus“.

Rouen - Musée des Beaux-arts
Öl auf Leinwand von Louis-Jacques Mandé Daguerre. Intérieur de Rosslyn Chapel, 1824. 113 X 97 cm. Sammlung Vicomte Vigier, dann Graf A.P., dann Privatsammlung.
Dieses Werk, das durch seine Größe und seine Lichtspiele besticht, bereichert eine Serie architektonischer Ansichten vom Beginn des 19. Jahrhunderts, die die Originalität der Museumssammlung ausmachen. Für die Stadt Rouen, wo zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein reger Austausch zwischen normannischen und englischen „Antiquitätenhändlern“ herrschte, ist dieses Werk von besonderer Bedeutung. Als Vorstudie für ein sowohl in Frankreich als auch in England ausgestelltes Diorama verherrlicht dieses Gemälde einen legendären Ort des englischen „Gothic revival“.

Aquarellfarben und Gouache auf Bleistift mit Grattage von Théodore Géricault (1791-1824). Marine, étude en vue du Radeau de la méduse. [Seegemälde, Vorstudie zum Floß der Medusa]. Um 1818. 11,6 X 18 cm. Privatsammlung.
Diese Vorstudie zu dem heute im Louvre aufbewahrten berühmten Gemälde Floß der Medusa entstand im Anschluss an eine Reise nach Le Havre und bereichert den bedeutenden Bestand des Rouener Musée des Beaux-arts an gemalten und gezeichneten Skizzen zu diesem Werk. Dieses sowohl historisch als auch technisch aufschlussreiche Werk wurde mit einem Vorkaufsrecht auf der Pariser Versteigerung vom 26. November 2003 erworben.

Villequier - Musée départemental Victor Hugo
Eine Reihe von Originalzeichnungen von François Flameng zur Illustration der Gesamtwerke von Victor Hugo. (1856-1923). Herausgegeben zwischen 1885 und 1889. 33 X 22,6 cm. 100 Zeichnungen, Bleistift, Tusche, Kohle, Gouache mit Weißhöhungen.

Dieser Erwerb schließt eine Lücke in der Sammlung des Musée Victor Hugo, das 1951 in dem Haus der Familie Vacquerie eröffnet wurde. Es verfügt zwar über eine Fülle von Möbeln, Büchern und Briefen, aber das Werk der bedeutendsten Illustratoren Victor Hugos ist noch sehr schwach vertreten. Eine der 100 erworbenen Zeichnungen wurde noch nie veröffentlicht und verstärkt das Interesse an dieser auf der Rückseite signierten Serie. Darüber hinaus bringt sie Licht in die Beziehungen zwischen François Flameng, der Familie Vaquerie und Victor Hugo, der sehr stark auf das Bild-Text-Verhältnis in seinen Werken achtete. Der Eingang dieser Originalzeichnungen in die öffentlichen Sammlungen ist angesichts der Seltenheit der Drucke - das einzige vollständige Exemplar befindet sich in der Bibliothèque nationale de France - von großer Bedeutung.