Die Oboe von Louis Cornet

Louis CORNET war ein unbekannter Blasinstrumentenbauer des 18. Jahrhunderts der Abtei von Saint-Germain-des-Prés. In diesem Zusammenhang ist sein Erbe für uns von großer Bedeutung.
Die von dem Museum für Blasinstrumente in La Couture Boussey erworbene Oboe von Louis Cornet interessiert die Nachwelt aufgrund ihrer Seltenheit und ihrer besonderen Eigenschaften. Weniger als 3% der zwischen 1660 (Erfindungsdatum der modernen Oboe) und 1750 hergestellten Oboen sind heute noch bekannt. Diese Oboe ist umso weniger bekannt, weil es sich um ein Beispiel für schlichte - und deshalb wenig bekannte - Instrumentenherstellung handelt. Wir haben es Auguste Tolbecque (1830-1919) zu verdanken, dass dieses Instrument bis zu uns vordringen konnte: die Oboe gehörte zu der prächtigen Instrumentensammlung dieses aus Niort stammenden Sammlers, Musikers und Instrumentenbauers. Er war ebenfalls einer der ersten Förderer alter Musik des 19. Jahrhunderts.

Das Gegenstück zu dieser Oboe bildet das in der Cité de la Musique ausgestellte Flagolet aus Elfenbein. Beide Instrumente zeugen von dem bemerkenswerten Talent Louis Cornets als Drechsler; ein Meister im Umgang mit Holz und Elfenbein.
Die Ästhetik des Instruments, das ausgewogene Maßverhältnis und die feinen Zwingen zeugen von der langjährigen Tradition. Louis Cornet ist ursprünglich aus La Couture, wo sein Vater als Holzdrechsler arbeitete. Wie seine Cousins der Familien Lot und Martin lässt er sich in Paris nieder. Dort heiratet er Claude Garnier (1703), bevor er 1710 neben die Abtei von Saint-Germain-des-Prés zieht. Trotzdem es in der Umgebung bis zu seinem Tode im Jahre 1745 nur einen einzigen weiteren Instrumentenbauer geben wird, blüht sein Geschäft nicht. Nur ein einziger Lehrlingsvertrag ist überliefert worden und seine Werkstatt verschwindet mit seinem Tod. Louis Cornet ist ein charakteristisches Beispiel für die aus La Couture stammenden Pariser Instrumentenbauer.
Die bedeutendsten Flöten-, Oboen- und Dudelsackbauer im Paris des 18. Jahrhunderts heißen Hotteterre, Lot, Martin, Chédeville und stammen alle aus La Couture und Umgebung. Sie alle haben zu der Entwicklung leicht erkennbarer Instrumente beigetragen: „Die Pariser Schule“, zu der auch Cornet zählt, hat viele Nachahmer.

Von einem organologischen Standpunkt aus weist die Oboe Cornets alle Eigenschaften der ersten modernen Oboen auf: Sie verfügt über ein großes Blaseloch und zwei Klappen (C und B). Die weit geöffneten Becher (in den Tonlöchern) hingegen sind kennzeichnend für die akustische Mittelmäßigkeit des Instruments.
Neben diesen wesentlichen Einzelheiten konnten dank einer sorgfältigen Untersuchung des Instruments weitere wichtige Informationen ans Tageslicht gebracht werden: Als erstes wurde die Bohrung genauer untersucht, um die internen und externen Maße der Oboe zu bestimmen.
Weitere Recherchen im Labor der Cité de la Musique haben dazu beigetragen, den Aufbau des Instruments näher zu definieren. Röntgenaufnahmen haben die perfekte Regelmäßigkeit der Bohrung aufgezeigt. Eine bemerkenswerte Feststellung, da Buchsbaum für gewöhnlich leicht verformt und bei alten Instrumenten verziehen sich deshalb die Tonlöcher und die Bohrung und nehmen oft eine ovale Form an. Nur ein talentierter Drechsler, der es versteht, das Holz richtig auszuwählen und zu bearbeiten, kann die Lebensdauer eines Instruments verlängern. Dank der Röntgenaufnahmen konnten ebenfalls zwei Risse entdeckt werden, die mit bloßem Auge nicht wahrgenommen werden können. Diese Information bestätigt, dass das Spielen auf alten Instrumenten stets mit einem Risiko verbunden ist: Hygrothermische Einflüsse können ein weiteres Aufsplittern dieser Risse zufolge haben und das Instrument unwiderruflich beschädigen.

Diese bis auf den Schallstückring vollständige Oboe zeugt von dem bedeutenden Fortschritt im Instrumentenbau, der schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts in den bescheidensten Werkstätten anzutreffen ist.