Warum ist es rund ?

Monet wählte für die meisten Gemälde der Reihe Seerosen ein rechteckiges oder quadratisches Format. Bei den Seerosen von Vernon handelt es sich um ein Rundbild (auch "tondo" genannt), was belegt, dass sich der Maler nicht nur mit den Farben, Spiegelungen und Kontrasten des Seerosenteiches sondern auch mit dem Format seiner Darstellungen beschäftigte.
Es gibt nur drei andere Gemälde, die mit dem Bild von Vernon verglichen werden können: zwei der Bilder Seerosen entstanden 1907 und befinden sich heute im Musée d’Art et d’Industrie in Saint-Etienne und in einer Privatsammlung in den Vereinigten Staaten, das andere stammt aus dem Jahr 1908 und kann im Dallas Museum of Arts in den Vereinigten Staaten besichtigt werden.
Das Format verweist zwar auf die Malerei der italienischen Renaissance, ist jedoch vor allem Ausdruck Monets unablässlicher Beschäftigung mit seinem Lieblingsmotiv: der Teich mit seinen Pflanzen und die ineinander verwobenen Spiegelungen von Himmel und Erde. Da der Teich auf dem Gemälde nicht zu sehen ist, kann man vermuten, dass er symbolisch durch das Rundformat gegenwärtig ist.
Die Bedeutung des Runds wird ganz besonders in dem dekorativen Zyklus der Seerosen deutlich, der der französischen Nation nach dem 1. Weltkrieg (Musée de l’Orangerie, Paris) geboten wurde: durch die Präsentation der Leinwände in einem ovalen Ausstellungsraum fühlte sich der Besucher ganz von ihnen umgeben.