Aufschwung und Untergang der Fayence-Manufaktur Lœbnitz

Die Weltausstellung von 1878 bietet dem Haus Lœbnitz Gelegenheit, sein ganzes Talent unter Beweis zu stellen. Es wird für die aufsehenerregende Fassade La Porte des Beaux-Arts mit einer Goldmedaille ausgezeichnet. Diese vollständig aus Terrakotta und Fayence bestehende, 12 m hohe Fassade wurde zusammen mit Paul Sédille, der sich für die Polychromie der Architektur ereiferte, realisiert. An ihr soll die Harmonie zwischen dekorativen Künsten und Architektur ausgedrückt werden.

Das Geschäft blüht und Lœbnitz (seit 1880 arbeitet er mit seinem Sohn Jules-Alphonse zusammen) übernimmt Aufträge für die Dekoration der Bahnhöfe Champ de Mars und Le Havre und des Theaters von Monte-Carlo. Er liefert auch die Fliesen für die Kuppel des Denkmals der Johanna von Orleans in Rouen.

Der Name Lœbnitz steht für Qualität, aber nach ihren brillanten Beiträgen zur Weltausstellung hat die Manufaktur Schwierigkeiten, die erforderlichen Mechanisierungsschritte in die Wege zu leiten und hat zur Jahrhundertwende gegen zunehmende Konkurrenz anzukämpfen. Durch die Folgen des Ersten Weltkriegs und der Wirtschaftskrise von 1929 wird das Unternehmen so stark geschwächt, dass es 1935 seine Türen schließen muss. Der Fonds wird zwischen diversen Institutionen aufgeteilt, darunter auch das Musée de Rouen.